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Zentrum für Gender und Diversität

30. Juni 2020
von saza
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Wie Eltern MINT-Gatekeeper*innen werden


Was benötigen Eltern, um ihre Rolle als Gatekeeper in MINT-Berufsfelder  für ihre Kinder  gut wahrnehmen zu können? Wir haben unsere zentrale Zielgruppe  befragt und darüber hinaus die  Meinungen von Expert*innen eingeholt. Hier die wesentlichen Erkenntnisse, die wir in der Entwicklung der E-MINT Spaces berücksichtigen werden.

Die Expert*innen und die Eltern sind sich darin einig, dass Gender-Stereotype eine entscheidende Rolle in der Marginalisierung von Mädchen in den MINT-Kernfächern Informatik und Ingenieurswissenschaften spielen.  Das bedeutet, dass einerseits die Wissensweitergabe zu Stereotypen und auch die eigene Reflexion über gesellschaftliche Zuschreibungen, was ein „richtiges“ Mädchen oder einen „richtigen“ Buben ausmacht, eine wesentliche Rolle in den E-MINT-Spaces spielen werden. Ziel soll sei, Annahmen aufzubrechen, die davon ausgehen, dass Mädchen weniger geeignet für die Technik, die digitale Welt  und die dazugehörigen Berufe sind. Dabei werden auch MINT-Rollenmodelle für die Eltern hilfreich sein.

Wesentlich ist auch, dass sich beide Gruppen dafür aussprechen, bereits im Baby- und Kleinkindalter anzusetzen, denn die Einflussnahme der Eltern nimmt mit steigendem Alter der Kinder ab. Gerade bei kleinen Kindern sind der Kompetenzerwerb und der Aufbau des technisches Selbstkonzepts zentral, in der Pubertät ist es häufig zu spät, einerseits weil die Jugendlichen bereits beruflich orientiert sind, andererseits weil Eltern in der Pubertät nicht mehr die richtigen Ansprechpersonen für ihre Kinder sind, sondern deren Peer-Groups.

Damit die E-MINT-Spaces von den Eltern gut angenommen werden, müssen sie einen Nutzen für sie bringen. Dieser Nutzen kann beispielsweise darin bestehen, den Eltern aufzuzeigen, welche Chancen mit einem MINT-Beruf für ihre Kinder verbunden sind, was besonders die Zukunftssicherheit und das Einkommen betrifft. Die Inhalte der Spaces sollten jedenfalls auf den Alltag, auf konkrete Alltagsthemen oder -probleme, ausgerichtet werden, um den Nutzen für sich selbst unmittelbar erkennen zu können.  Auch können potentielle persönliche Verunsicherungen, die sich für Eltern aus den Entwicklungen in der Berufslandschaft durch Industrie 4.0 ergeben, mit Information begegnet werden. Dabei geht es auch besonders darum, die Begeisterung von Eltern wecken, indem die Inhalte in vielfältigen, niederschwelligen  Formen, die sich auch unterhaltend darstellen, vermittelt werden. 

Die Eltern sollten mit ihrem Erfahrungswissen in den Spaces wahrgenommen werden, und  sie sollten auch den Inhalt, den sie ihren Kindern vermitteln möchten, primär einmal selbst erlebt haben. Herausfordernd wird dabei sein, die Kompetenz der Eltern als Eltern anzuerkennen und trotzdem Haltungen, Werte und nicht nur allgemeines Wissen vermitteln zu wollen. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – wird eine hohe Vielfalt an didaktischen Ansätzen und Aspekten empfohlen: Selbstgesteuerte Lernprozesse, die Selbstermächtigung bringen, ein Verhältnis auf Augenhöhe und Wertefreiheit werden neben einem forschenden, spielerischen, lustvollen und kreativen Ansatz, der verschiedene Arbeitsmodi – alleine, kooperativ, ziellos, zielorientiert – anbietet, als sinnvoll angesehen.

Von den befragten Eltern und Expert*innen wird sehr häufig auch empfohlen, ein realistisches Bild von der Informatik zu vermitteln, denn häufig gibt es nur sehr eingeschränkte Vorstellungen von Informatik-Berufen. Die Vielfalt von Technik/Informatik soll dargestellt und damit eine Reflexion bzw. Neubewertung dieses Feldes ermöglicht werden. Dazu gehört auch das Wissen, dass es in Zukunft keine Berufe geben wird, die ohne digitale Komponenten auskommen, oder dass es ein breites Spektrum an derartigen Berufen gibt, die soziale Kompetenzen und Kreativität ebenso erfordern wie auch das Design einen wesentlichen Teilbereich eines Informatikberufs ausmachen kann.

5. Dezember 2019
von saza
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WYRED geht weiter- schließen Sie sich uns an!

Das von der EU finanzierte WYRED-Projekt (netWorked Youth Research for the Empowerment in the Digital society) entwickelt seit drei Jahren Ansätze zur Stärkung junger Menschen durch Forschung. Unsere Methodik konzentriert sich darauf, junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre Anliegen aufzugreifen und ihnen eine Stimme zu geben, damit die Politik sie hören kann.

Der  Schwerpunkt lag auf der digitalen Gesellschaft und eine Reihe von Empfehlungen wurden aus der Forschung der Jugendlichen in sieben verschiedenen EU-Ländern und ihren Online-Diskussionen generiert. Diese werden in unserem jährlichen WYRED Insights-Bericht gesammelt, der im Dezember verfügbar sein wird. Dieses Video bietet eine kleine Auswahl davon.

Der Verein  WYRED wurde gegründet, um die Arbeit des Projekts fortzusetzen und andere Organisationen bei der Anwendung unseres Ansatzes zu unterstützen. Die Mitgliedschaft im Verein  ist für Organisationen und Einzelpersonen, die sich vor Ende 2019 anmelden, kostenlos und bietet Zugang zum WYRED Insights Report und den anderen Ergebnissen des Projekts: Hier gehts zur Registrierung.

 

12. Oktober 2019
von saza
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Eltern zu Gatekeeper*innen im MINT machen

Künstliche Intelligenz und Robotik haben Einzug in unseren Alltag genommen, technologischen Innovationen entwickeln sich in einer bisher unvorstellbaren Geschwindigkeit. Um an diesen Entwicklungen teilhaben zu können, wird immer wieder das Schlagwort MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) genannt. Obgleich gerade die MINT-Kernberufe Informatik und Naturwissenschaften   hohe Zukunftssicherheit versprechen, entscheiden sich immer noch zu wenige junge Menschen für eine Berufslaufbahn in diesem Bereich. Das trifft ganz besonders auf Mädchen bzw. junge Frauen zu. Das multiple Geflecht, das dazu führt, ist gut erforscht. Gerahmt von Gender-Stereotypen nehmen neben dem Bildungsbereich ganz besonders Eltern die wesentlichste Rolle darin ein, ihre Kinder für MINT-Berufe zu interessieren.

Zauchner-Studnicka, 2019

E-MINT ist das erste Projekt österreichweit, das sich mit dieser Thematik annimmt und erforscht, wie Eltern eine Rolle als Coaches oder  Mentor*innen für ihre Kinder  in diesem Bereich einnehmen können. Dabei wird es besonders darum gehen, die Erwachsenen für das Thema zu begeistern und Kompetenzen aufzubauen, die sie benötigen, um als positive Vorbilder für ihre Kinder zu wirken.

E-MINT – Eltern als MINT-Gatekeeper in die digitale Welt (Projektnummer 873002 ) wird im Rahmen des Programms „FEMtech Forschungsprojekte“ in der 6. Ausschreibung vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert.

17. September 2019
von saza
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Gendersensibilität im Maker-Space

© Technisches Museum Wien, Paul Bauer

Eine lange Liste an Faktoren hat die Bedarfsanalyse im Projekt NextGenLab ergeben, bei der es darum gegangen ist Jugendliche, Expert*innen. Vertreter*innen von Unternehmen und Pädagog*innen zu befragen, wie es gelingen kann, gendersensible Vermittlungsformate im techLAB des Technischen Museums Wien zu entwickeln. Das Lab ist ein typischer Maker Space, der mit einem 3D-Drucker, Laser-Cutter, einer Vinyl Presse oder Möglichkeiten erste Programmiererfahrungen zu machen, ausgestattet ist. Hier eine Auswahl der wesentlichsten Faktoren, die sich aus diesen Analysen ergeben haben:

  • Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen – die Jugendlichen entscheiden sich für die Produkte, die sich gestalten möchten.
  • Eine Vielzahl von unterschiedlichen – nicht stereotypen – Identifikationsmöglichkeiten anbieten.
  • Die junge Menschen willkommen heißen und ihnen mit Respekt und Authentizität auf Augenhöhe begegnen.
  • Niederschwelligkeit der Angebote gewährleisten und Offenheit für Fragen zeigen.
  • Fokussierung auf den kreativen Gestaltungsprozess und nicht auf die Materialien oder die Geräte, denn diese könnten stereotyp geprägt sein.
  • Die Besucher*innen müssen einen Nutzen der Produkte für sich selbst erkennen können.
  • Einem gesamten technologischen Produktionsprozess durchleben können und ein Produkt mit nach Hause nehmen können.
  • Eine Ent-Dramatisierung der Geschlechterdifferenzen von dem Hintergrund einer sehr hohen Genderkompetenz der betreuenden Personen im Hinblick auf deren Reflexions- und Handlungswissen ermöglichen.

 

NextGenLab – Innovation und Exploration für den Arbeitsmarkt der Zukunft (Projektnummer: 872613) wird im Rahmen des Programms „FEMtech Forschungsprojekte“ in der 5. Ausschreibung vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert.