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Zentrum für Gender und Diversität

Gender Stereotype von Anfang an

Ergebnisse der Bildungsstandards nach Ende der vierten Stufe Volksschule ergeben für Buben in allen Deutsch-Kompetenzbereichen schlechtere Werte als für Mädchen. Dass diese Unterschiede auf Gender-Stereotype zurückgeführt werden müssen, erklärt die Bildungsexpertin Univ. Prof. Dr. Christiane Spiel: Die Sichtweise „Mädchen sind fleißig, und Buben sind faul und lesen nicht gerne“, werde den Kindern sowohl von LehrerInnen als auch Eltern vermittelt. Es handle sich um ein tief verankertes gesellschaftliches Phänomen, es müsse auf allen Ebenen dagegen gearbeitet werden.

Wie tief diese gesellschaftliche Verankerung tatsächlich geht, lässt sich erahnen, wenn ein Blick auf die Funktionsweisen von schulischen Peer Groups gerichtet wird, deren Passfähigkeit mit dem schulischen System stark durch das Geschlecht bestimmt ist: Eine stärker ausgeprägte Schulentfremdung entsteht bei Burschen durch einen Prestige- und symbolischen Männlichkeitsgewinn, der sich aus einem oppositionellen Verhalten den Erwartungen und dem Regelsystem der Schule gegenüber ergibt. Burschen finden sich hier oft in einer Zwickmühle zwischen schulischen Regeln und den Erwartungen, die von der Peer Group gestellt werden. Dem gegenüber steht eine Herstellung von Passfähigkeit zwischen schulischen Erwartungen und weiblichen Peer Groups über eine öffentliche, systemkonforme „Vorderbühne“ und eine „Hinterbühne“, die dem Regelsystem nicht entspricht. Wie stark auch diese Hinterbühne beleuchtet wird, hängt vom Schultyp ab, beziehungsweise von den Vorannahmen von LehrerInnen über das Verhalten von Schülerinnen, die sich in elitären Schulen anders darstellen als in Problemschulen mit sozial schlecht gestellten Schülerinnen.

Selbstredend sollen hier keine differenztheoretischen Typologien aufgestellt werden, vor allem auch keine Schuldzuweisungen gemacht werden, denn wir alle agieren und reagieren in diesem gesellschaftlichen System. Vielmehr soll das co-konstruktive bzw. wechselseitige Zusammenspiel zwischen SchülerInnen und LehrerInnen in Abhängigkeit vom Geschlecht, Schultyp und damit auch dem sozialen Status in der Konstruktion von Stereotypen aufgezeigt werden. In dieser Diskussion geht es um Handlungsmöglichkeiten, vor allem darum, dass SchülerInnen durch derartig hartnäckig verankerte Stereotypisierungen keine Einschränkungen erfahren müssen. Denn schließlich ist hier auch die Frage zu stellen, welchen Raum dabei – die häufig vergessenen – SchülerInnen einnehmen, die sich mit diesen Gruppen nicht oder weniger identifizieren können.

derStandard-Artikel Prof. Spiel

Standardüberprüfung Deutsch – 4. Schulstufe

Ps: Noch ein Nachtrag zur gesellschaftlichen Verankerung: Eben auf Anhieb gefunden, als ich nach einer Glückwunschkarte für die Geburt eines Babies gesucht habe – ein schönes Beispiel dafür, wie Stereotype bereits sehr früh entstehen.

babies in rosa und blau 

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