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Zentrum für Gender und Diversität

Mentoring verkehrt herum

In den letzten 15 Jahren hat Mentoring als Maßnahme zur Verbesserung der Chancengleichheit für Mädchen und Frauen außerordentlich an Bedeutung gewonnen. Es gibt Mentoringprogramme für Schülerinnen, Studentinnen, Wissenschafterinnen, spezielle Programme in Technik, IT und Unternehmen. Der Kern ist dabei immer derselbe: es gilt Mädchen und Frauen den Zugang zu traditionell informell und implizit vermitteltem Wissen zu ermöglichen, ein Wissen, das für Berufswahl und berufliche Entwicklung entscheidende Bedeutung hat. Mentoring Programme sind ein damit Gegenstück zu den „old boys networks“. Zielsetzung ist, der geschlechterstereotypen Berufswahlentscheidung,  die zur bekannten Segregation in den Berufsfeldern führt und entscheidende Folgen für die Karrierechancen von Frauen hat, entgegenzuwirken.

Es aber auch kritische Betrachtungen. z.B. dass Mentoring Programme den Blick zu stark  auf die vermeintlichen Defizite und Schwächen von Mädchen oder Frauen richten. Selbstredend besteht Konsens darüber, dass dieses Förderungsbedürfnis nicht individuelle, sondern strukturelle Ursachen hat. Dass sich die Segregation in der Berufswahl so hartnäckig hält, ist keineswegs in individuellen Schwächen, sondern in gesellschaftlichen Rollenbildern und Sozialisationsprozessen begründet. Hier weitergedacht ergibt sich vor allem für Mentoringprogramme für Mädchen nicht unbedeutende Problematik: Diese Programme wollen dazu beitragen, den Anteil von Frauen in technischen Berufen zu steigern, indem sie den Mädchen beharrlich erklären, dass sie mit ihren Wünschen, Neigungen und Zukunftsvorstellungen falsch liegen.

Nun, wie wäre es dann, Mentoring verkehrt zu denken? Der Ansatz des Reverse-Mentorings eröffnet da eine komplett neue Perspektive. Anders als beim klassischen Mentoring ist es beim Reverse-Mentoring genau umgekehrt: „ältere“ Mentees lernen von „jungen“ Mentor/innen. Dies ist ein sehr innovativer Zugang, bislang vor allem in Organisationen als Managementtool und Personalentwicklungsmaßnahme erprobt, im Kontext der Mädchenförderung noch Neuland. Z.B. für die IT erscheint ein derartiger Ansatz sehr vielversprechend, wenn das Computer-Nutzungsverhalten von Jugendlichen und auch die die deutlichen Alterseffekte im Hinblick auf IT Kompetenzen  berücksichtigt werden. Es wäre sehr spannend zu sehen, inwieweit über Reverse-Mentoring Rollenbilder bzw. stereotype Vorstellungen über berufliche Lebensentwürfe besser dekonstruierbar sind, weil an der Kompetenz und den Handlungsmöglichkeiten, dem Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen der Mädchen angesetzt wird….

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