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Zentrum für Gender und Diversität

Zur sprachlichen Gleichbehandlung

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Wie oft haben FeministInnen, GenderforscherInnen und AktivistInnen in den letzten 15 oder mehr Jahren dargelegt, warum geschlechtergerechte Sprache wichtig ist? Unzählige Male! Die aktuelle Debatte macht aber leider deutlich, dass wir diesbezüglich von einem breiten gesellschaftlichen Verständnis, einer Akzeptanz oder gar einem Konsens noch immer meilenweit entfernt sind. Entbrannt ist die Kontroverse rund um den Textentwurf der ÖNORM A 1080, einen offenen Brief an die Frauenministerin und den Wissenschaftsminister zum Thema sprachliche Gleichbehandlung und die unsägliche Hymnen-Interpretation des Herrn Gabalier. Die Art und Weise, mit der die Diskussion um die „Zulässigkeit“ einer einbeziehenden Sprache geführt wird, ist heftig, die GegnerInnen argumentieren angriffig, verallgemeinernd und respektlos. Sie verstecken ihre reaktionäre Ablehnung von Gleichstellungspolitik und Genderforschung hinter der Kritik an Binnen-I und Schrägstrich.

BefürworterInnen melden sich ebenfalls zahlreich zu Wort und legen die Bedeutung sprachlicher Gleichbehandlung eindrücklich dar. Zahlreiche sprachwissenschaftliche Studien (vgl. z.B. Journal of Psychology, 4/2004, Stahlberg/Sczesny, Psychologische Rundschau, 3/2001) belegen, dass Texte, die ausschließlich die männliche Sprachform verwenden, bei den  LeserInnen und HörerInnen einen gedanklichen Überhang von Männern bei gleichzeitiger gedanklicher Nichteinbeziehung von Frauen erzeugen. Scheinbar neutrale Inhalte, die in männlicher Ausdrucksform transportiert werden, werden also gedanklich mit Männern assoziiert. Wir stellen uns eben hauptsächlich Männer vor, wenn von Bürgern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Mitarbeitern oder Kollegen die Rede ist. Damit hat eine scheinbar harmlose Grammatikregel zur Folge, dass Frauen nicht nur in der Sprache, sondern auch in den Köpfen nicht vorkommen. Ein Sprachgebrauch, der Mann mit Mensch gleichsetzt, festigt also diskriminierende Strukturen und trägt zur strukturellen Benachteiligung und Unterrepräsentanz von Frauen bei: „Wenn wir immer nur vom Professor, Schriftsteller, Richter etc. als ER sprechen, konditionieren wir uns gegen Professorinnen, Schriftstellerinnen, Richterinnen… wir erwarten dann keine Frauen in diesen Berufen und akzeptieren sie auch weniger in diesen Rollen und bewerten ihre Leistungen in diesen Berufen geringer“ (Trömel-Plötz Senta (1982). Frauensprache: Sprache der Veränderung, Frankfurt am Main, S. 116).

Im Grunde sollte es gar nicht um die Frage gehen, ob Binnen-I, Schrägstrich, Paarform oder gar * bzw. _ verwendet wird oder werden soll. Dies ist Sache individueller Vorlieben. Es geht darum, eine lebendige, der Gleichstellung von Menschen verpflichtete Sprache zu pflegen und endlich anzuerkennen, dass geschlechtergerechte Sprache – neben zahlreichen anderen notwendigen Maßnahmen – ein wesentliches Instrument zur (Geschlechter)Gerechtigkeit ist. Und das sollte im Jahr 2014 doch ein selbstverständliches Ziel sein, dem sich alle anschließen können…

Nun hat der österreichische Frauenring bei change.org eine Petition gestartet. Bitte unterschreiben und weitersagen!

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