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Zentrum für Gender und Diversität

Gehaltsgleichstellung im Jahr 2084

Wenn in längeren Zeitabschnitten – also beispielsweise seit der Einführung des Wahlrechts für Frauen im Jahr 1918 – gedacht wird, hat sich in Sachen Gleichstellung bereits sehr viel getan. Gleichzeitig bleibt nach dem aktuellen Gleichstellungsbericht 2013 der Europäischen Kommission noch so manches zu tun. Hier die wesentlichen Ergebnisse kurz zusammengefasst:

* Die Erwerbsquote von Männern und Frauen in Europa  nähert sich an (63 % versus 75 %). Allerdings üben Männer zu einem deutlich geringeren Prozentsatz Teilzeitarbeit aus (8 %) als Frauen (32 %) und unbezahlte Arbeit wird nach wie vor mehrheitlich von Frauen geleistet (26 % versus 8 %).

* Während der Gender Gap im Einkommen (teilzeitbereinigt berechnet nach Einkommen/Stunde) in der EU konsistent sinkt und basierend auf Zahlen aus 2012 bei 16 % liegt, hat Österreich hier noch großen Nachholbedarf: Bei uns beträgt der Gender Gap 23 %. Wenn es in dem Tempo wie bisher weitergeht, wird es europaweit bis zur Einkommensgleichstellung noch 70 Jahre dauern. Im Jahr 2084 wird also kein Equal Pay Day mehr berechnet werden müssen.

*  Außerdem sind Pensionen von Frauen – nicht überraschend – um 39 % geringer als Pensionen von Männern. Ein Drittel aller Frauen in Europa erhält auch gar keine Pensionsleistungen. So ist das Armutsrisiko bei älteren Frauen auch höher als von Männern  (22% versus 16,3%). Dasselbe gilt für Alleinerziehende (vorwiegend Frauen): 35,5% dieser Gruppe sind armutsgefährdet.

* Viel hat sich im Hinblick auf  das Qualifikationsniveau bei Mädchen und (jungen) Frauen getan: 39,9 % der Frauen und 31,5 % der Männer verfügen über einen tertiären Bildungsabschluss. Buben weisen mit 14,4 % eine deutlich höhere Schul-Dropout-Quote auf als Mädchen (10,9 %).  Während sich die Schulleistungen von Buben und Mädchen in Mathematik und den Naturwissenschaften nur in geringem Ausmaß unterscheiden (mit länderspezifischen Ausnahmen u.a. in Österreich), liegen die Leseleistungen von Mädchen deutlich höher als die von Buben. Hier kehren sich die Gleichstellungsziele also um: Ein deutlicher Handlungsbedarf für Buben und (junge) Männer wird sichtbar.

* Das hinlänglich bekannte Bild zeigt sich im Hinblick auf die horizontale Segregation der Geschlechter: Frauen stellen nur 17.8%  der Aufsichtsratsmitglieder in den größten europäischen Unternehmen. Weiters sind nur 4,8r  % der Aufsichtsratsvorsitzenden Frauen und mit 2.8% noch weniger CEOs. 27 %  der europäischen Ministerien sind von Frauen besetzt, den gleichen Prozentsatz nehmen Frauen in den nationalen Parlamenten ein.

* 33% der Frauen (ab 15 Jahren) in Europa haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Eine von 20 Frauen wurde das Opfer einer Vergewaltigung. Häusliche Gewalt ist sehr verbreitet:  22% der Frauen Europas haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erfahren, wobei nur ein Drittel dieser Frauen ihre Gewalterfahrungen der Polizei melden oder sich an Hilfsorganisationen wenden.

 

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