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Zentrum für Gender und Diversität

Noch sehr viel zu tun!

Da ist wirklich noch sehr viel zu tun. Ich bin vor Kurzem auf die Studie „Lebenssituation von schwarzen Menschen in urbanen Zentren Österreichs“ vom ETC Graz  (Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie) gestoßen. Erschütternd für mich die Erfahrungen, die schwarze Menschen in Österreich mit Behörden, Ämtern und in der Öffentlichkeit machen müssen. Ich zitiere direkt aus dem Bericht, der 2013 von Simone Phillipp und Klaus Starl verfasst wurde:

„Ein Drittel der Befragten behauptet, vor Behörden respektlos behandelt worden zu sein. 40 % der befragten Personen, die schon mit Gerichten zu tun hatten, gaben an, dort nicht angemessen respektvoll behandelt worden zu sein. Ein Viertel der InterviewpartnerInnen gibt mangelndes Vertrauen als Grund dafür an, sich über respektloses Verhalten nicht beschwert zu haben. 70 % der Befragten glauben nicht an die Gleichheit von Schwarzen im österreichischen Rechtssystem.“ (Seite 3)

„Die Arbeitslosigkeit liegt unter den Befragten bei knapp 20 %. Die Vermittlungsquote durch das AMS ist mit 19 % sehr niedrig. 50 % der Personen gaben an, unter ihrer Qualifikation beschäftigt zu sein. Das Ausmaß an rassistischer Diskriminierung ist in der Arbeitswelt besonders hoch. Ein Drittel der befragten Personen gab an, von Vorgesetzten in den letzten drei Jahren mindestens ein Mal benachteiligt worden zu sein. 40 % der Befragten wurden mindestens ein Mal rassistisch diskriminiert, 70 % davon von KollegInnen am Arbeitsplatz.19 % gaben an, auch rassistische Übergriffe erlebt zu haben, auch hier in überwiegender Mehrheit durch Kolleginnen.“ (Seite 3)

„Auch der öffentliche Raum ist in der Wahrnehmung schwarzer Menschen von einem rassistischen Umfeld geprägt. 52 % der Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten zumindest ein Mal in öffentlichen Verkehrsmitteln und 47 % auf offener Straße, rassistisch belästigt worden zu sein. 13 % der Befragten wurden in den letzten 12 Monaten Opfer von rassistischen Übergriffen auf offener Straße. 57 % der schwarzen Menschen wurden  im letzten Jahr von derPolizei angehalten und mussten sich ausweisen. Nahezu die Hälfte davon hatte den Eindruck, die Amtshandlung wäre nicht korrekt verlaufen.“

Die Autorinnen schließen, dass Gleichheit und Gleichstellung für eine große Anzahl von Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Österreich nur mangelhaft verwirklicht sind und schlagen eine Reihe von politischen und rechtlichen Maßnahmen vor. Zentral dabei ist meines Erachtens sicher auch, die Bilder und Vorstellungen  von schwarzen Menschen ganz  neu und abseits aller pauschalisierenden Stereotype zu denken.

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