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Zentrum für Gender und Diversität

Wie Eltern MINT-Gatekeeper*innen werden


Was benötigen Eltern, um ihre Rolle als Gatekeeper in MINT-Berufsfelder  für ihre Kinder  gut wahrnehmen zu können? Wir haben unsere zentrale Zielgruppe  befragt und darüber hinaus die  Meinungen von Expert*innen eingeholt. Hier die wesentlichen Erkenntnisse, die wir in der Entwicklung der E-MINT Spaces berücksichtigen werden.

Die Expert*innen und die Eltern sind sich darin einig, dass Gender-Stereotype eine entscheidende Rolle in der Marginalisierung von Mädchen in den MINT-Kernfächern Informatik und Ingenieurswissenschaften spielen.  Das bedeutet, dass einerseits die Wissensweitergabe zu Stereotypen und auch die eigene Reflexion über gesellschaftliche Zuschreibungen, was ein „richtiges“ Mädchen oder einen „richtigen“ Buben ausmacht, eine wesentliche Rolle in den E-MINT-Spaces spielen werden. Ziel soll sei, Annahmen aufzubrechen, die davon ausgehen, dass Mädchen weniger geeignet für die Technik, die digitale Welt  und die dazugehörigen Berufe sind. Dabei werden auch MINT-Rollenmodelle für die Eltern hilfreich sein.

Wesentlich ist auch, dass sich beide Gruppen dafür aussprechen, bereits im Baby- und Kleinkindalter anzusetzen, denn die Einflussnahme der Eltern nimmt mit steigendem Alter der Kinder ab. Gerade bei kleinen Kindern sind der Kompetenzerwerb und der Aufbau des technisches Selbstkonzepts zentral, in der Pubertät ist es häufig zu spät, einerseits weil die Jugendlichen bereits beruflich orientiert sind, andererseits weil Eltern in der Pubertät nicht mehr die richtigen Ansprechpersonen für ihre Kinder sind, sondern deren Peer-Groups.

Damit die E-MINT-Spaces von den Eltern gut angenommen werden, müssen sie einen Nutzen für sie bringen. Dieser Nutzen kann beispielsweise darin bestehen, den Eltern aufzuzeigen, welche Chancen mit einem MINT-Beruf für ihre Kinder verbunden sind, was besonders die Zukunftssicherheit und das Einkommen betrifft. Die Inhalte der Spaces sollten jedenfalls auf den Alltag, auf konkrete Alltagsthemen oder -probleme, ausgerichtet werden, um den Nutzen für sich selbst unmittelbar erkennen zu können.  Auch können potentielle persönliche Verunsicherungen, die sich für Eltern aus den Entwicklungen in der Berufslandschaft durch Industrie 4.0 ergeben, mit Information begegnet werden. Dabei geht es auch besonders darum, die Begeisterung von Eltern wecken, indem die Inhalte in vielfältigen, niederschwelligen  Formen, die sich auch unterhaltend darstellen, vermittelt werden. 

Die Eltern sollten mit ihrem Erfahrungswissen in den Spaces wahrgenommen werden, und  sie sollten auch den Inhalt, den sie ihren Kindern vermitteln möchten, primär einmal selbst erlebt haben. Herausfordernd wird dabei sein, die Kompetenz der Eltern als Eltern anzuerkennen und trotzdem Haltungen, Werte und nicht nur allgemeines Wissen vermitteln zu wollen. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – wird eine hohe Vielfalt an didaktischen Ansätzen und Aspekten empfohlen: Selbstgesteuerte Lernprozesse, die Selbstermächtigung bringen, ein Verhältnis auf Augenhöhe und Wertefreiheit werden neben einem forschenden, spielerischen, lustvollen und kreativen Ansatz, der verschiedene Arbeitsmodi – alleine, kooperativ, ziellos, zielorientiert – anbietet, als sinnvoll angesehen.

Von den befragten Eltern und Expert*innen wird sehr häufig auch empfohlen, ein realistisches Bild von der Informatik zu vermitteln, denn häufig gibt es nur sehr eingeschränkte Vorstellungen von Informatik-Berufen. Die Vielfalt von Technik/Informatik soll dargestellt und damit eine Reflexion bzw. Neubewertung dieses Feldes ermöglicht werden. Dazu gehört auch das Wissen, dass es in Zukunft keine Berufe geben wird, die ohne digitale Komponenten auskommen, oder dass es ein breites Spektrum an derartigen Berufen gibt, die soziale Kompetenzen und Kreativität ebenso erfordern wie auch das Design einen wesentlichen Teilbereich eines Informatikberufs ausmachen kann.

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